Unser Beispiel führte uns in zwei Tagen quer durch Mittel- und Norddeutschland sowie die Niederlande. Der Termin in Köln hat sich verzögert und so kamen wir erst kurz vor Sunset in die Luft. Der Termin in der Nähe von Emden (Ostfriesland) sollte aber auch noch stattfinden. Dazu kamen noch Wetterbedingungen, die nicht gerade erbaulich war. Temperatur um Null Grad, mäßiger Regen, tiefe Wolkenuntergrenzen. Allerdings meldete der Zielflugplatz Wolkenlöcher und brauchbare Sichten. Angeflogen konnte nur VFR werden. Aber es war schon dunkel, als wir im Anflug die Wolken hinter uns ließen und endlich wieder Sicht Kontakt hatten. Wir beendeten den IFR Part und Bremen Radar gab uns eine VFR NIGHT Clearance und einen Descent bis 3.100 Fuß. Was natürlich hier zum Tragen kommt: es gibt kaum eine Erhebung über 100 Fuß in dieser Gegend! Und was in den USA absolut selbstverständlich ist und in Österreich undenkbar ist in Deutschland zumindest möglich. Der sehr freundliche Flugplatzbetriebsleiter war auf unseren Anruf hin sofort bereit, den Platz länger offen zu halten. Mit der hervorragenden Pistenbefeuerung war auch die Landung kein Problem. Flieger abstellen, der Wagen wartete schon und der Abend wurde noch ein Erfolg.
Der daraufolgende Tag brachte uns am Morgen zurück zum Flugplatz. Die Nacht hatte genug Feuchtigkeit dagelassen, dass die Maschine erst mal etwas "entwässert" werden musste. Knapp 1,5 Stunden Sprit dazugetankt, einiges an Wasser aus dem Tank gedraint und schon ging es weiter in Richtung Norden. Wo wir schon mal in der Gegend waren und uns die weitere Strecke zum nächsten Termin nach Flensburg führen sollte machten wir einen Abstecher über Helgoland. Per GPS und dem DHE-VOR direkt auf Helgoland war das Navigieren kein Problem. An der Küste wunderten wir uns über den starken Verkehr, den das TCAS anzeigte. Erstaunlicherweise waren dies allerdings die zahlreichen Schiffe auf der Nordsee. Eine wichtige Information für den Notfall.
Helgoland und sein Flugplatz ist wirklich sehenswert. Durch die ordentliche Brise, die auf der Insel ständig aus den verschiedensten Richtungen weht, wurden drei Pisten gebaut, die längste gerade mal um die 400m lang. Nichts für große Flugzeuge; allerdings wird sogar von Boeings 737 von namhaften deutschen Fluglinien berichtet, die angeblich schon ein Touch-and-Go auf Helgoland hinter sich gebracht haben. Aber wir wollen es gar nicht so genau wissen.
Helgoland ist aber auch ohne Flugplatz mal eine Reise wert. Die Ortschaft und die Steilküste der Insel geben sich im einzigartigen norddeutschen Flair. Anreise ist entweder mit dem Flugzeug oder dem Schiff möglich. Eine genaue Wetterbeobachtung sowie die Kenntnis der Flugleistungsdaten des jeweiligen Flugzeugs sind aber notwenig, den kleinen und sehr windigen Platz anzufliegen.
Nach eine Ehrenrunde gings weiter nach Flensburg, das eine meteorologische Überraschung für uns auf Lager hatte. 300m Sicht, 100m vertikal. Danke schön. Auch der danebenliegende Navy-Flugplatz, der uns einen ILS-Approach mit Weiterflug in niedriger Höhe nach Flensburg angeboten hatte (man stelle sich sowas in Österreich vor!), war das hilflos. IFR-Alternate wäre Kiel gewesen, aber weit weg. Bremen Info war sehr hilfbereit und suchte mit uns Alternativen. Die war auch schnell gefunden. Die kooperativen und netten Dänen jenseits der Grenze boten uns sofort Sonderborg an (ohne Flugplan!), wo das Wetter passabel war für eine Landung. Eine halbe Stunde sind wir in der Gegend gekreist, bis wir uns also entgültig für Dänemark entschieden haben. Glücklicherweise führte uns der Direct Track nach Sonderburg genau über Flensburg und beim Überflug waren auf einmal Wolkenlöcher da, die uns die Piste samt Beleuchtung in voller Pracht zeigte. Also nicht lange überlegt, uns bei Bremen und den Dänen bedankt, Gear und Flaps down, Prop Full Forward, Power Idle (Turbine sei Dank) und runter durch die Wolkenlöcher.
Auch in Flensburg wieder die buchstäbliche Freundlichkeit der Menschen dort. Ein Gespräch mit dem Flugleiter offenbarte uns die Möglichkeit des Insel-Hüpfens in Dänemark. Als Piloten wird einem schnell klar, dass man das mal machen muss. Infos gibts auf der Homepage des Flensburger Flughafens. Dort ist man gerne behilflich bei der Organisation und für Infos.
Bevor es heim nach Linz ging machten wir noch "schnell" einen Abstecher nach Eindhoven in Holland. IFR Pickup durch Bremen Radar, schnell durch die Wolken durchstechen und in Level 260 mit Schipol Center durch den dichtesten Verkehr ganz Europas. Der Termin in Eindhoven war erledigt, der Flieger etwas nachgetankt (im Gegensatz zu Deutschland sind die Spritpreise durchaus erschwinglicher) und IFR zurück nach Hause. Nach knapp 1,5 Stunden Landung in Linz und ab in den wohlverdienten Feierabend.
Resumée: vier Termine in zwei Tagen, dabei in ca. 6,5 Stunden einige Tausend Kilometer zurückgelegt, eine einzige Übernachtung und zufriedene Kunden, die persönlichen Kontakt schätzen. Mit einem anderen Verkehrsmittel wäre dies nicht zu machen gewesen.
Wenn Sie mehr Interesse an Geschäftsreisen mit dem Privatflugzeuge haben: wir haben das Fluggerät, die Flugschule und die Infrastruktur. Kontaktieren Sie uns doch, wir rechnen gerne eine Beispiel-Reise mit Ihnen durch.
Dominik Mimra 08.01.2005