Eigentlich sollte es ja ein harmloser IFR-Flug von Linz nach Graz werden. Durch die Föhnlage war es bei uns strahlend schön und sehr windig, Graz meldete aber ein richtiges Herbstwetter: Few in 400ft, Broken in 1.200ft, Visibility zeitweise nur 3.000m, Null-Grad-Grenze in 4.000ft MSL. Kein wirkliches Traumwetter aber IFR mit der richtigen Vorbereitung auch kein wirkliches Thema, noch dazu wo die Tops in Graz bei ca. 8-9.000ft. Und der Rest der Strecke war ja bedingt durch den Föhn feinste VMC.
Am Vortag wurde dann allerdings die Frage an mich herangetragen, ob es möglich wäre, den Flug vom Sonderlandeplatz Sonnen aus zu starten, da dies für einige der Mitreisenden anreisetechnische sehr viel einfacher und schneller gewesen wäre. Nachdem der Flug mit der Jetprop durchgeführt werden sollte, kamen allerdings schnell Zweifel über die Sinnhaftigkeit dieses Vorhabens auf. Laut AIP hat der Platz eine Pistenlänge von 640m, davon aber nur 500m Asphalt (welches für die Jetprop aufgrund der geringen Bodenfreiheit des Propellers zwingend notwendig ist), außerdem ist die Piste sehr schmal, schlecht Einsichtig und hat sogar ein starkes Gefälle. Nicht gerade optimale Bedingungen für unseren Sechssitzer.
Eine Telefonrecherche bei Piloten und Betriebsleiter von Sonnen brachte dann allerdings Klarheit. Die Piste wurde vor kurzen verlängert, so dass nun die kompletten 640m asphaltiert sind. Der überaus hilfsbereite und freundliche Betriebsleiter von Sonnen, ein mehr als erfahrener Pilot, gab mir dann noch ein paar Tips für den Anflug, der doch als anspruchsvoll zu werten ist.

Bereits gegen Sunset geht es in einen wunderschönen Sonnenuntergang zum Waypoint PABSA, von dort sind es nur mehr ein paar Meilen nach Sonnen. Nachdem wir unsere voraussichtliche Ankunftszeit bekanntgegeben haben, war auch der Funkkontakt sofort hergestellt. Wir machten aber noch einen Überflug, um den Windsack noch genau zu beobachten und dann gings hinaus für einen sehr langgestreckten und stressfreien Anflug. Mit Full Flaps und Gear down geht es mit gemütlichen 100kt zum Steinbruch! Jawohl, denn die Piste ist nur schlecht einsichtlich, weil sie hinter einem Hügel mit Steinbruch liegt. Aber unmittelbar. Angeflogen wird in der Regel, wenn es nur irgendwie geht, auf die RWY 20, da das starke Gefälle in dieser Richtung bergauf die Landestrecke natürlich hervorragend verkürzt. Der Haken daran ist nur, dass da eben ein Hügel und ein Steinbruch steht und direkt vor Beginn der Piste eine wunderschöne Reihe von sehr hohen Bäumen. In diese wurde zwar eine Schneise geschlagen, welche aber gar nicht mal so breit war für die Spannweite der Malibu. Was hier nun noch erschwerend dazukam war der böige Wind, verursacht durch den Föhn. Dies bedeutet aus Sicherheitsgründen eine höhere Anfluggeschwindigkeit, was die Sache nicht leichter macht. Eine Besonderheit, wenn man es nicht gewohnt ist, die das Aufsetzen "bergauf", weil man hier mehr Speed benötigt als sonst und viel mehr die Nase oben halten muss. Gewöhnungsbedürftig, aber auch kein Problem.
Ungewöhnlich war auch die Meldung des Betriebsleiters kurz vor der Landung, dass die Straße abgesperrt ist. Später stellte sich heraus, dass eine Verkehrsstraße ca. 10m vom Pistenende der Schwelle 02 vorbeiführt, welche aus Sicherheitsgründen abgesperrt werden muss. Lustig, wenn neben einem beim Ausrollen die Autos warten.

Man möge dem Autor verzeihen, dass es keine Fotos vom Anflug selbst gibt. Wir waren ehrlich gesagt zu beschäftigt und fasziniert. Bei nächsten Mal werden wir aber sicher dran denken!
Am Flugplatz wurden wir wieder ausgesprochen freundlich vom Betriebsleiter und ein paar interessierten Piloten empfangen. Leider blieb nicht viel Zeit, weil die Sonne ebenfalls schon in Richtung Nachtruhe unterwegs war und die D-EKAU ja auch noch nach Hause sollte.
Der Abflug ist übrigens auch nicht ganz unproblematisch. Zum einen macht das bergauf Anrollen der Performance des Fliegers zu schaffen, zum anderen sieht man das Pistenende auf der anderen Seite gar nicht und vor allem ist die Piste ein "wenig" wellig. Man muss schon sehr aufpassen, dass der Flieger nicht durch eine Bodenwelle frühzeitig abhebt und so in eine kritische Fluglage gerät. Das Abheben sieht von außen wohl noch spektakulärer aus als vom Flieger selbst, wo sich dem Piloten dann aber gleich der weite Ausblick ins Tal offenbart. Danke an Kollegen Neumüller für dieses gelungene Foto:

Prinzipiell stellt also auch ein derartiger Flugplatz, den man ohne weiteres als anspruchsvoll bezeichnen kann, kein Problem dar. Es ist nur wichtig, dass man sich ein paar wesentliche Punkte zu Herzen nimmt: