Die hinter uns fliegende 767 der LTU ist weit genug, unser High Speed-Anflug mittlerweile wieder eingebremst. „Oskar Charlie Kilo, RWY 25R, cleared to land“ steht für den Auftakt zum Besuch der Internationalen Luftfahrt Ausstellung in Berlin. Und nachdem diese Clearance für Berlin-Schönefeld EDDB gilt, sind es bis zum Erreichen der ersten Exponate wirklich nur mehr wenige Minuten.
Natürlich muss angemerkt werden, dass die Vorbereitungen für diesen Besuch etliche Tage vorher mit dem Einholen des für den Anflug während der Ausstellungstage erforderlichen Slots bei der ZEKO (zentrale Koordinierungsstelle für An- und Abflüge nach Schönefeld) begonnen haben. Dafür reicht ein einfaches Telefonat und die erhaltene Slot-Nummer für An- und Abflug am ATC-Flugplan unter "Remark" vermerken. Damit ist die Eintrittskarte zum Flug „mitten in die Ausstellung“ gelöst und ein ganz einfacher IFR-Flug bringt uns trotz Gegenwind in 01:44 Stunden nach Schönefeld.
Hilfreich für die erreichte Flugzeit sind wie immer im unteren Flugraum einige Short Cuts, um die anzufragen sich immer lohnt. Ganz selten wird unseren Wünschen nicht entsprochen und meist kommt bald ein „direct to“. Ein Hoch auf die Flugsicherung und unser Garmin 430, das IFR im deutschen Luftraum eigentlich erst möglich macht, denn die Zeiten in denen es von VOR zu VOR ging, sind wohl vorbei. Während der ILA ist die mit ILS ausgestattete südliche Bahn 25L/07R den Vorführungsflügen vorbehalten, so dass wir mit einem NDB/DME-Approach vorlieb nehmen müssen. Aber sogar hier kommt ein freundliches „Radar shows you well established, over to Tower“ zur Unterstützung. Per "Follow Me" zur Parkposition und das wars eigentlich. Die Flughafengebühr von 78 Euro ist zwar nicht ganz billig, könnte aber auch schlimmer sein. Sofort geht’s per Shuttle über die Pisten per Sondereinfahrt mitten aufs Messegelände. Kein Anstellen beim Kartenkauf (15 Euro), kein staubiger Fußmarsch. Da bleibt die ganze Kraft für eine Ausstellung, die aus allen Segmenten der Luftfahrt Angebot bereitstellt. Vom UL zum Airbus, vom Lenkflugkörper zur Drohne. An Zubehör und Ausrüstung bietet die AERO in Friedrichshafen aber mehr, das ist unbedingt zu sagen.
Diesmal gilt mein besonderes Interesse den Neuheiten in der General Aviation. Wie es aussieht, steht nun doch wieder eine neu Generation von Flugzeugen ins Haus. Vor allem die TT 62 Alekto könnte den Markt in Bewegung bringen. Der ausgestellte Prototyp hat bereits eingebaute Diesel Triebwerke und die Leute vom Hersteller HPA schwören, dass sie es allen Skeptikern zeigen werden und der Flieger noch heuer fliegen wird. Daneben ist die schon in Flugerprobung befindliche Grob „Ranger“ zu sehen, die zwar äußerlich eher hässlich wirkt, dafür aber den bis zu sieben Passagieren enormen Komfort und den Piloten tolle Flugleistungen und souveräne Avionik bietet. Da könnte der TBM 700 (Socata hat die ILA 2004 übrigens ignoriert und nichts ausgestellt) mächtige Konkurrenz erwachsen. Und auch die EXTRA 500, die turbinengetriebene Schwester der bislang erfolglosen EXTRA 400, kann besichtigt werden.
Da auch für den Abflug ein Slot vergeben wurde, muss man die Zeit im Auge behalten, um rechtzeitig die Start Up-Clearance zu erbitten. Trotzdem steht man dann schon ein Weile im „Stau“ am Rollhalt. Aber vorne eine King Air, hinten ein Lear 35, das hat auch seine Reize. Sobald der Berliner Luftraum verlassen ist kann schon wieder über Abkürzungen verhandelt werden. Diesmal mit dem Erfolg eines „150 NM direct LNZ“. Dies und der Rückenwind bringen uns in 01:31 nach Hause.
Werner Hackl, 14. Mai 2004
